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Wo kaufe ich Samen?

Mit Samen aus dem Handel habe ich lange Zeit schlechte Erfahrungen hinsichtlich der Keimfähigkeit gemacht. Am besten man nimmt Samen aus eigenen oder im Handel angebotenen Früchten. Auch die IG Passionsblumen hat eine Samenbörse für ihre Mitglieder. Hier erhält man meist frischen Samen von auch ausgefallenen oder seltenen Passionsblumen.

Inzwischen hat sich das Angebot bei Fachhändlern, speziell im Internet, erheblich verbessert. Es wird ganzjährig frischer Samen meist aus Brasilien angeboten. Hier sollten sie aber auch beachten das manche Sorten nicht einfach zum keimen zu bringen sind. Auch so manches Jungpflänzchen wirft, nach erfreulichen Beginn plötzlich das Handtuch und verwelkt (P. ligularis ist so ein Kandidat).

Samen von Hybriden und Selektionen

Ein leidiges Thema ist der Verkauf von Samen der von Hybriden oder Selektionen stammt. Besonders bei den Auktionshäusern findet man oft solche Angebote. Dazu muß man wissen, es gibt zwar Hybriden die Samen hervorbringen aber es gibt keinen Samen aus dem eine vorhandene Hybride gezogen werden kann. Wird also z.B. Samen von P. 'Temptation' angeboten bedeutet dies nur, das die Mutterpflanze eine P. 'Temptation' war. Die Pflanzen die aus diesen Samen entstehen sind alles mögliche und vielleicht auch hübsch, sie sind aber keine P. 'Temptation'! Dies gilt auch für Selektionen. Eine Selektion ist eine ausgesuchte Pflanze einer bestimmten Art. Bekannte Selektionen sind z.B. P. capsularis 'Vanilla Cream' oder die große Anzahl von edulis Selktionen wie z.B. edulis 'Golden Giant'. Allen ist gemeinsam das die aus Samen dieser Pflanze gezogenen Nachkommen den Selektionsnamen nicht mehr tragen dürfen. Es ist dann eben "nur" noch eine P. capsularis oder edulis.

Behandlung der Samen vor der Aussaat

Zuerst wird das Fruchtfleisch von den Samen entfernt. Eine recht mühsame Arbeit. Ich reibe die Samen einzeln! in feinen Sand (Spielsand) ab. Als Aussaaterde habe ich anfangs die gepreßten Kokosfasern verwendet. Leider ist die Keimung schlecht (siehe auch Passiflorund 2-98 Seite 77), ich verwende nun normale Aussaaterde und dünste das Substrat ca. 4-5 Minuten in der Mikrowelle. Dann werden die Samen mit Quarzsand abgedeckt. Der Sand ist bei den keimenden Sämlingen gegen die Umfallkrankheit gut, auch Springschwänze und ähnliches Kleingetier lieben ihn nicht.

Bei 25°C - 28°C Bodentemperatur und hoher Luftfeuchte sollten die meisten Samen innerhalb 4 Wochen keimen. Wohlgemerkt Bodentemperatur und nicht Lufttemperatur ist wichtig. Üblicherweise stehen die Töpfe ja auf der Fensterbank und die wird oft mächtig kalt (z.B. Nachtabsenkung bei der Heizung). Bei mir steht alles im "Minigewächshaus" oder im Lichtkasten. Auf die 4 Wochen bis zum keimen sollte man sich nicht verlassen. Besonders bei exotischen Sorten habe ich die Erfahrung gemacht, daß manchmal Monate ins Land gehen, bis dann doch der Samen keimt. Um Chaos zu vermeiden, immer schön die Pflanztöpfe bschriften.

Um eine möglichst schnelle und gleichmässige Keimung zu erreichen gibt es verschiedene Tipps die ich nicht alle probiert habe. Immer geht es darum den Samenmantel zu entfernen und den natürlichen Keimschutz des Samens abzubauen. Bei frischem Samen ist meist nur nötig den Samenmantel, wie oben angegeben, zu entfernen.

Übliche Passionsblumenen.

Einweichen der Samen in Passionsblumen oder Orangensaft (Fruchtsäure) für 72h. Es entsteht eine fermentation. Danach spülen des Samen in warmen Wasser und Desinfektion mit Chinosol. Dann Sand abreiben um die letzten Reste des Samenmantels zu entfernen. Danach sofort aussäen.

Für incarnata Samen.

Hier ist wichtig zu Wissen ob die Pflanze, von der der Same stammt, im Winter dem Frost ausgesetzt ist oder nicht. Kommt der Samen aus ganzjährig Frost freien Zonen wird er wie jeder andere Passi-Samen behandelt. Im zweiten Fall sollte der Samen stratifiziert werden. Am einfachsten legt man den Samen dazu ein paar Tage in das Gemüsefach des Kühlschranks. Dann wie oben mit gewöhnlichen Passi-Samen weiter verfahren. Wenn nichts über den Samen bekannt ist, ist es am besten eine Hälfte zu stratifizieren und die andere Hälfte nicht.

Der Versuch

Ich habe selbst einen Versuch gestartet. Die Testkandidaten waren Samen von P. edulis forma flavicarpa, selbst aus der Dominikanischen Republik mitgebracht und 6 Monate alt. Nach Inspektion des Medizinschrankes wurden jeweils 10 Samenen wie folgt behandelt:
  • Gar nicht
  • 48h in Wasser eingeweicht
  • 48h in Tee eingeweicht
  • 48h in 5% Zitronensäure eingeweicht
  • 48h in 5% Kaliumcitrat eingeweicht
Die eingeweichten Samen wurden gesäubert und ausgsäht. Die Töpfe standen nebeneinander auf dem Fensterbrett.

Das Ergebnis

Behandlung

Keimung nach 2 Wochen

nach 4 Wochen

gar nicht
0 0
48h in Wasser
6 9
48h in Tee
2 9
48h in 5% Zitronensäure
3 8
48h in 5% Kaliumcitrat
8 10

wenn man von "Gar nicht" absieht, gibt es keinen Einfluss auf das Keimergebnis, nur auf die Dauer bis zur Keimung. Hier zeigt Wasser und Kaliumcitrat die besten Resultate. Leider hatte ich keinen "schlechteren" Samen in der nötigen Menge.

Klingt alles reichlich kompliziert, wer aber monatelang auf Keimung wartet und es passiert nichts, wird die paar Tage das nächste mal gerne in Kauf nehmen.