Pollen konservieren
Passionsblumen sind oft selbst inkompatibel d.h sie fruchten nur mit Pollen einer anderen Pflanze (kein Klon). Oft gelingt auch die Befruchtung mit einer anderen Art. Dies führt zu Hybriden die zu tollen neuen Sorten führen können. Nun blüht er/sie/es der Pollenspender nur nicht die zweite Pflanze die befruchtet werden soll. Aber alles kein Problem, der Pollen kann konserviert werden und hält sich so einige Zeit. Wie lange genau? Darüber lässt sich trefflich streiten. Am besten so kurz wie möglich.
- Pollen der Blüten mit einem Pinzel auf ein Papier abstreifen.
- Pollen an einem warmen (nicht zu warmen) Ort trocknen lassen.
- In kleine Tütchen füllen, beschriften und in einem dichten Gefäß z.B. Filmdose aufbewahren. Wenn vorhanden ein kleines Päckchen mit Trocknungsmittel wie sie bei Elektronikartikeln beigepackt sind beilegen.
- Im Kühlschrank lagern.
- Bei Bedarf mit einem Pinsel auf die Narbe auftragen, für höhere Luftfeuchte sorgen (einfach anhauchen finde ich die beste Methode). Das war es.
Bewurzelungshormon
Käufliche Bewurzelungsmittel enthalten neben den Füllstoffen (meist Talkum) syntetische Pflanzenhormone aus der Auxin-Gruppe. Das sind in erster Linie: Indol-3-essigsäure (IAA), Indol-3-buttersäure (IBA) und 1-Naphthylessigsäure (NAA).

Das Bewurzelungshormon regt die Kallus und Wurzelbildung an und ermöglicht so die Anzucht von Stecklingen die sonst nur schwer oder gar nicht Wurzeln bilden. Bei "normalen" Stecklingen wird die Wurzelbildung beschleunigt.
Ein Bewurzelungsmittel ist z.B. Rhizopon. In einer speziellen Mixtur sind die Erfolge sehr gut d.h die Pflanzen sind nach 1-3 Wochen!! fertig bewurzelt und können umgetopft werden. Hier das Rezept aus der Passiflorunde 2/2000:100mg IBA (Rhizopon AA) + 25mg NAA (Rhizopon B) auf 1000ml Wasser. Achtung! das Gemisch absolut dunkel aufbewahren da Licht die Auxine zerfallen läßt.
Der Steckling wird in das Puder getippt oder für einige Minuten in die Flüssigkeit gestellt. Danach kommt er in das Substrat. Wichtig ist die Temperatur des Substrates, es sollte etwa 25°C haben. Ist es zu warm kann es zu Überreaktionen kommen, ist es zu kalt wirkt das Mittel nicht. Im Idealfall sollte die Lufttemperatur etwas unter der Substrat Temperatur liegen. Denn es soll nicht der Steckling wachsen sondern seine Wurzeln.
Da die Auxine ziemlich schnell ihre Wirkung verlieren, bleiben manche Stecklinge nach der Kallusbildung in ihrer Entwicklung stehen. Hier empfiehlt der Hersteller das besprühen der Stecklinge mit Bewurzelungshormon. Näheres ist auf seiner Web-Seite zu erfahren.
Desinfektion
Im feuchtwarmen Klima gedeihen Schimmelpilze prächtig. Deshalb regelmäßig lüften und Desinfektion durch besprühen von Pflanzen und Minigewächshaus mit Chinosol. Dieses Präparat gibt es in jeder Apotheke. Ich verwende Chinosol 0,5 g N1. Es wird nach der Anleitung mit Wasser vermischt.
Auch die bewurzelten Jungpflanzen können damit besprüht werden.
Minigewächshaus
Ob Aussaat oder Stecklinge alles wird bei mir im Minigewächshaus aufgezogen. Der Kern ist ein altes Aquarium so groß (klein) das es noch bequem auf der Fensterbank platz hat. Gegenüber den käuflichen Anzuchthäusern ist ein Aquarium höher und daher besser für Stecklinge geeignet.
Der Unterbau sieht wie folgt aus. Zuerst kommt eine Styroporplatte 8mm um die Kälte der Fensterbank abzuhalten. Am Anfang habe ich darauf ein, in eine wasserdichte Plastiktüte eingepacktes, Heizkissen gelegt, was sicherheitstechnisch eher bedenklich ist, aber gut funktioniert hat. Jetzt verwende ich eine Wärmematte von Thermo Lux das ist zwar teurer aber sicher. Auf der Wärmematte steht das Aquarium. Das ganze erzeugt ca 28° -35°C Bodentemperatur. Im Aquarium liegt eine Schicht (ca 5cm) Kokosfasern oder besser Perlit zur Isolierung. Darauf stehen dann die Töpfe etc. Das ganze ist mit einer Küchenfolie zugedeckt die einige Luftlöcher besitzt. Für die Anzucht in Perlit sieht es etwas anders aus, lesen sie dort.
Lichtkasten
haben die Passionsblumen im Spätsommer Früchte angesetzt oder schneidet man Stecklinge, stellt sich die Frage wie bringe ich die Sämlinge oder Stecklinge über den Winter? Ein Bericht in der Passiflorunde hat mich angeregt einen Lichkasten zu bauen. Der Erfolg ist überwältigend. P. 'Adularia' als Sämling eingesetzt, hat nach 2 Monaten geblüht, P. holosericea blüht als 50cm Steckling wie wild und P. sanguinolenta trägt Früchte (wahrscheinlich durch 'Adularia' befruchtet). Die Pflanzen wachsen, bei richtiger Röhrenwahl, sehr kompakt und zeigen ein dunkelgrünes Laub.
Mein erster Lichtkasten war 137 cm lang, 37 cm breit und 60 cm hoch aus weißen 16 mm Spanplatten gebaut. Bei diesen Maßen passen genau drei 120cm Leuchtstofflampen in den Deckel. Die mitgelieferten Leuchtstoffröhren sind aber ungeeignet. Man benötigt zwei Tageslicht- und eine Pflanzlichröhre .Lüftungslöcher im Deckel und den Seitenteilen halten die Temperatur unter 30°C. Eine Zeischaltuhr sorgt 16 Stunden für Licht. Kosten ca. € 70.-
Aus der Erfahrung mit dem Lichtkasten habe ich eine neues Exemplar gebaut. Es ist wieder 137 cm lang, 55 cm breit und 80 cm hoch. Bestückt ist er mit sieben Röhren. Die Unterseite ist mit Teichfolie ausgekleidet und ca. 10 cm mit Blähton aufgefüllt. Einige Liter Wasser sorgen für eine angenehme Luftfeuchte. Die Wände und der Deckel sind mit Spiegelfolie (danke Gerd) beklebt. Im Deckel und an den Seiten sollten einige Luftlöcher nicht fehlen, sonst wird es innen schnell zu warm. Ich habe noch eine Lüfter wie er für Computer benutzt wird eingesetzt.
Seramis
Dieses Pflanzgranulat hat sich bei mir - und nicht nur bei mir - bewährt. Es ist jedoch nicht nötig auf reines Seramis umzusteigen. Eine Beimengung genügt vollkommen. Ich verwende für Stecklinge 50% Seramis und 50 % Anzuchterde. Für die größeren Pflanzen 60% Standardpflanzerde 30% Seramis und 10% Quarzsand. Passssionsblumen wollen lockeren Boden. Seramis durchlüftet den Boden sehr gut, speichert Wasser und versalzt nicht. Stecklinge in reines Seramis zu setzen hat sich bei mir nicht bewährt.
Kokosfasern
mit den Preß Kokosfasern soll man etwas für die dritte Welt und der Umwelt tun. Ich habe Versuche mit Samen und Stecklingen gemacht. Samen keimt sehr schlecht, Stecklinge stehen nicht sehr stabil. Für fertige Pflanzen ist eine Erdmischung mit den Kokosfasern aber möglich. Die Fasern halten den Boden locker und sind chemisch ziemlich neutral.