Rankhilfen und Töpfe
Passionsblumen sind Kletterer. Um einen Plastikbügel gewickelt verlieren die Pflanzen mehr und mehr Kraft. Sie stellen das blühen ein oder fangen erst gar nicht damit an. Beispiele von Rankhilfen sind auf der nebenstehenden Zeichnung zu sehen. Die ersten beiden sind mit ein paar Bambusstäben leicht herstellen. Die dritte Rankhilfe besteht aus zu einem Zylinder gebogenem Drahtzaun z.B. für Hasenställe. Ich habe den Durchmesser so gewählt das er mit der Innenseite des Topfes abschließt. Dadurch kann man den Drahtzylinder einfach am Topfrand mit Drahthagen befestigen.
Noch in der letzten Ausgabe dieser Seiten habe ich folgendes (ab)geschrieben: "Auch der Kübel kann gar nicht zu groß sein. Viele Sorten blühen und fruchten erst ab einer gewissen Länge der Ranken. Sorten wie z.B. P. edulis können 10m lange Ranken bekommen, da braucht es Wurzelmasse".
Demzufolge habe ich große 100 Liter Container angeschafft und einen Teil meiner Pflanzen dort ausgepflanzt. Mein Gedanke war den Pflanzen einen möglichst naturnahen Lebensraum zu bieten. Meine wirkliche Erwartung war jedoch mit einer nicht da gewesenen Blütenfülle belohnt zu werden.
Ich konnte feststellen das sich die Pflanzen prächtig entwickeln. Auf dem Bild ist eine P. rubra zu sehen die mit einem geradezu explosionsartigen Wachstum reagiert (vorne zum Vergleich das Blatt einer P. rubra im 8cm Topf).
Keineswegs explosionsartig war die Blütenfülle. Bei der P. rubra blühte zuerst die kleine Pflanze, die Blüten unterscheiden sich nicht in Größe und Farbe.
Eine P. 'Marijke' hat sich durch mein Gewächshaus vor- und zurück gewuchert und mich dann großzügig mit einer Blüte belohnt. Sie wurde daher wieder ausgegraben, radikal zurück geschnitten und in einen normalen 24 cm Topf strafversetzt. Jetzt geht's plötzlich und sie bekommt sogar Früchte. P. sublanceolata oder P. palmeri zeigen keinen großen Unterschied im Wuchs oder bei der Blühfreude. Die Tacsonien profitieren vom auspflanzen. Sie sind gesund und blühen reichlich.
Sollen die Pflanzen im Sommer im Freien stehen, ist eine gewisse Mindestgröße eh angebracht. Erstens ist die Standsicherheit besser und zweitens muss die gespeicherte Wassermenge für einen Arbeitstag reichen.
Also wie groß muss nun eine Topf sein? Eine pauschale Antwort gibt es wie man sieht nicht. Wenn es nur um die Blüte geht kann man sagen je kürzer die Ranken sind an der die Pflanze blüht umso kleiner kann der Topf sein. Pflanzen des Subgenus Decaloba kommen daher meist mit kleinen Töpfen gut zurecht. Tacsonien mit meterlangen Trieben lieben es eher großvolumig. Bei mir sind für Freilandpflanzen meist Töpfe von 20-28cm im Gebrauch.
Grundsätzlich sollte man seine Pflanzen im Sommer frei wachsen lassen. Werden die Ranken immer wieder umgeleitet oder abgeschnitten, braucht man sich über fehlende Blüten nicht wundern.
Rückschnitt
Im Frühjahr und Herbst ist die beste Zeit für den Rückschnitt. Meine Passionsblumen können sich im Sommer an der Terrasse nach oben ranken. Im Herbst werden die Ranken dann auf die Größe der Rankhilfe zurückgeschnitten.
Neue Knospen entstehen an den Triebspitzen. Ältere Triebe blühen nicht. Somit fördert der Rückschnitt durch Bildung neuer Seitentriebe die Blütenbildung erheblich. Sogenannte Geiltriebe im Winter müssen entfernt werden.
Überwintern
Wenn es Herbst wird in Deutschland und die nächtlichen Temperaturen unter 10°C sinken, müssen die wärmeliebenden Arten in ihr Winterquartier. Jetzt ist auch eine gute Gelegenheit, die Pflanzen zurück zu schneiden. Passionsblumen behalten im Winter ihr Laub. Sie benötigen daher möglichst viel Licht, um über den Winter zu kommen. Ein finstere Keller wäre das Todesurteil. Robuste Passiflora Arten begnügen sich mit einer hellen Fensterbank.
Optimal lassen sich Passionsblumen jedoch nur in einem geheizten Gewächshaus oder Wintergarten überwintern. Manche Gärtnerei bietet einen Überwinterungsservice. Die Überwinterung im geheizten Wohnbereich ist in dieser Hinsicht sicher kostengünstiger, bietet aber den wärmeliebenden Pflanzen tropischer Herkunft im Hinblick auf Lichtintensität und Luftfeuchtigkeit keine optimalen Bedingungen. Es ist daher sinnvoll, sich bei der Pflanzenwahl auf Arten zu beschränken, die mit den Winterquartier zurecht kommen. Pflanzen die auf der Fensterbank Platz haben, halte ich wie folgt. Auf der Fensterbank habe ich eine 8mm Styroporplatte zur Isolierung, darauf steht ein gewöhnlicher Balkonkastenuntersetzer der mit Torfmull gefüllt ist, darauf stehen die Pflanzen. Den Torfmull halte ich immer feucht. Durch die große Oberfläche des Torfmull wird ein Bereich mit hoher Luftfeuchte auch über einer Zentralheizung erzeugt.
Blüte und Früchte
Eine beliebte Frage lautet: warum blüht bzw. fruchtet meine Passionsblume nicht?
Wenn die Passionsblume aus Samen gezogen wurde, dauert es abhängig von der Sorte einige Zeit bis sie das blühfähige Alter erreicht hat. Bei P.morifolia oder P. incarnata kann das schon im ersten Jahr sein, gewöhnlich setzt die Blüte aber erst im dritten Jahr ein. P.edulis z.B. zeigt ihre "Kinderzeit" (oft) an den noch ungeteilten Blättern. Grundsätzlich sollte man nur die blühwilligen Exemplare selektieren und den Rest wegwerfen und nicht weiter verschenken. So ein Exemplar, eine P. sanguinolenta, habe ich im BG Erlangen gesehen. Eine große Pflanze, aber hat noch nie geblüht. Na ich hab ihnen einen blühenden Steckling geschenkt.
Besonders unheilvoll sind die Sammler die nach Kreuzungsversuchen ohne Selektion alles verteilen was ihre ‘Grünen Hände’ hervorgebracht haben. Üblicherweise ist das Ergebnis die 1001 Hybride einer P.caerulea und nur ihr Züchter kann den tollen Unterschied zum Original erkennen.
Dann gibt es Passionsblumen, die bei uns zwar willig wachsen aber nicht oder nur selten blühen wie z.B. P.ligularis, P. laurifolia und die meisten Tacsonia Arten. Immer gilt starkwüchsige Sorten brauchen ein größeres Pflanzgefäß und blühen meist nur an langen Trieben. Oft blühen solche Sorten bzw. Arten leichter an Verzweigungen. Es ist deshalb einen Versuch wert und den Haupttrieb bei etwa 2m zu kappen um Verzweigung anzuregen.
Blühwillige Exemplare sind z.B.: P. ‘Adularia’, P.’Amethyst’, P x belotii, P. ‘Byron Beauty’, P caerulea, P. citrina, P. sanguinolenta und P. x violacea.
Hat man dann endlich Blüten, will man natürlich auch Früchte sehen und ist dann oft enttäuscht wenn sich nichts tut. Um eine große Artenvielfalt zu erzielen, sind viele Passionsblumen selbstunfruchtbar d.h. Früchte werden nur bei Fremdbestäubung durch dieselbe Art (bei einer anderen Art mit gleicher Chromosomenzahl entsteht aus den Samen ein Hybride) angesetzt. ACHTUNG gleiche Art ist kein Klon (z.B. Steckling) damit funktioniert es nicht. Wenn möglich sollte man also wenn man Früchte will, immer zwei Exemplare, am besten eines aus Samen gezogen, besitzen. Leider hilft es nichts wenn man zwei Pflanzen kauft. Viele Arten in ganz Europa ja der ganzen Welt (z.B. bei Hybriden) sind Klone einer einzigen Pflanze.